Neurozentrum Bellevue

PD Dr. med. Manuel Meyer | Prof. Dr. med. Adam Czaplinski | Tel. +41 44 295 30 45
Theaterstrasse 8, 8001 Zürich | www.neurozentrumbellevue.ch


DE | EN | FR | IT | PL | RU
EMG / ENG - Elektroneuromyographie

Elektroneuromyographie (ENMG)

Was ist eine Elektroneurographie (ENG)?

Die ENG ist eine Untersuchung der Nervenleitung an den peripheren Nerven. So lässt sich die Geschwindigkeit bestimmen, mit der ein Nerv elektrische Signale weiterleitet (Nervenleitgeschwindigkeit). Ausserdem wird gemessen, wie gut eine elektrische Nervenreizung auf den entsprechenden Muskel übertragen wird (neuromuskuläre Überleitung).

Was ist eine Elektromyographie (EMG)?

Die EMG ist ein Untersuchungsverfahren, bei dem die elektrische Aktivität eines Muskels gemessen wird. Sie gibt Hinweise darauf, ob der Muskel selbst erkrankt ist oder der Nerv, der diesen Muskel mit Information versorgt, nicht ausreichend funktioniert.

Wie funktioniert die ENG?

Bei der motorischen Neurographie wird der zu untersuchende Nerv an mindestens zwei Stellen in seinem Verlauf elektrisch gereizt. Gemessen wird die Zeit, die von der Nervenreizung bis zur Reaktion (Kontraktion) des dazugehörigen Muskels vergeht. Diese Zeit ist sehr kurz – nur wenige Tausendstel-Sekunden – und muss elektronisch bestimmt werden. Die Muskelkontraktion wird mit Hilfe der Oberflächenelektroden von einem Computer registriert.
Der Nerv wird an zwei verschiedenen Stellen stimuliert. Aus der Differenz der Leitungszeiten und der Strecke zwischen den beiden Reizungsorten wird die Geschwindigkeit der Nervenleitung (NLG) errechnet.

Wie funktioniert die EMG?

Der Arzt desinfiziert die Haut und sticht eine hauchdünne Nadel-Elektrode direkt in den Muskel des Patienten. Über Verstärker lässt sich die Aktivität einzelner Muskelfasern im Inneren eines Muskels ableiten. Ein Computer speichert die gemessenen Spannungsschwankungen und stellt sie als Signal dar. Über einen Lautsprecher sind diese Schwankungen auch als Rauschen und Knattern hörbar. Erfahrene Ärzte können schon anhand der Geräusche eine Aussage über die Art einer Schädigung treffen. Die genaue Analyse erfolgt anschliessend am Computer. Der Arzt achtet hierbei besonders auf:

– Elektrische Signale, die direkt nach dem Nadeleinstich entstehen;

– Das Aussehen spontaner Signale bei entspanntem Muskel (Spontanaktivität);

– Signale, die bei vorsichtiger Anspannung des Muskels während der Untersuchung entstehen;

Wozu dient die ENG?

Mit Hilfe einer ENG können Ärzte die Art und Schwere verschiedener peripherer Nervenerkrankungen einordnen. Folgendes lässt sich mit dieser Methode diagnostizieren:

– Der Schweregrad einer Polyneuropathie; diese ist eine Erkrankung der peripheren Nerven, die verschiedensten Ursachen (unter anderem Diabetes mellitus oder chronischer Alkoholüberkonsum) haben kann.

– Genauer Ort und Schwere eines Nervenschadens, der durch Verletzung entstanden ist.

– Ausprägung von Einklemmungserscheinungen an Nerven im Bereich von Beinen und Armen, z.B. Carpaltunnelsyndrom (CTS) am Handgelenk.

Wozu dient die EMG?

Mit Hilfe einer EMG lassen sich die Art und Schwere verschiedener Muskel- und Nervenerkrankungen bestimmen. Vorausgehen sollte immer eine eingehende neurologische Untersuchung, die eine Verdachtsdiagnose ermöglicht. Anschliessend kann der Arzt gezielt nur bestimmte Muskeln untersuchen. Für die Patienten ist dies von Vorteil, denn das Nadel-EMG ist keine angenehme Untersuchung.
Ein entspannter Muskel zeigt normalerweise keine elektrische Aktivität. Schon bei einer leichten Kontraktion entstehen aber elektrische Signale, die bei stärkeren Muskelbewegungen weiter zunehmen. Bestimmte Erkrankungen der Muskeln, peripheren Nerven oder Nervenwurzeln an der Austrittsstelle aus der Wirbelsäule ergeben auffällige, bzw. spezifische Muster in der elektrischen Aktivität des gestochenen Muskels.

Folgende Fragen lassen sich mit einer EMG beantworten:

– Handelt es sich bei einer Muskelschwäche um eine Erkrankung des Muskels oder zuständigen Nervs?

– Bei einer Muskellähmung, die infolge einer Verletzung oder Entzündung des versorgenden Nervs entsteht, gibt das EMG einen Hinweis auf die Heilungschancen (Prognose). Wichtig ist es, ob noch eine Restaktivität des Muskels nachweisbar ist oder ob es Anzeichen dafür gibt, dass sich der Nerv durch Regeneration von Nervenfasern (sog. Reinnervation) erholt.

– Man untersucht genau, welche Muskeln von einer Nervenschädigung betroffen sind, und kann damit den Ort der Nervenschädigung exakt eingrenzen. Das erlaubt, die entsprechende Körperregion allenfalls gezielt bildlich darzustellen, beispielsweise durch eine Computer-Tomographie.

Was ist im Vorfeld der ENG zu beachten?

Es sollte eine eingehende neurologische Untersuchung vorausgehen, um möglichst wenige Nerven testen zu müssen. Denn die elektrische Reizung der Nerven ist für den Patienten manchmal unangenehm.

Was ist im Vorfeld einer EMG zu beachten?

Bei Patienten, die Blutverdünner (z.B. blutgerinnungshemmende Arzneimittel) einnehmen oder unter einer Gerinnungsstörung leiden, sollte keine Elektromyographie durchgeführt werden. In zwingenden Fällen kann der Arzt trotzdem einzelne, kleinere Hand- oder Fussmuskeln untersuchen, er muss aber das Risiko einer Einblutung in den Muskel abwägen.

Obwohl in unserem Labor ausschliesslich Wegwerfnadeln benutzt werden muss der Arzt über mögliche infektiöse Erkrankungen des Patienten informiert sein, die über Blutkontakt übertragen werden (z.B. Hepatitis B oder C, AIDS).
Wie wird die ENG durchgeführt?
Der Nerv wird an mindestens zwei Stellen im Verlauf elektrisch gereizt. Bei Nerven, welche die Handmuskeln versorgen, sind solche Stellen beispielsweise am Oberarm, in der Ellenbeuge oder am Handgelenk zu finden.

Die Oberflächen-Elektroden zur Registrierung der Muskelkontraktion werden in diesem Fall an den Fingermuskeln angebracht. Bei der Stimulation verspürt der Patient ein elektrisierendes Gefühl.

Vor allem zwei Untersuchungsergebnisse sind wichtig:

– Erkrankungen der Markscheiden, welche die Nerven umhüllen, führen zu einer Verlangsamung der Nervenleitgeschwindigkeit.

– Bei Erkrankungen, die das Innere der Nerven betreffen, kann die Nervenleitgeschwindigkeit normal sein, die Höhe der elektrischen Nervenantwort (Amplitude des Nervenpotentials) ist jedoch geringer.

Auch aus der Stärke der Muskelkontraktion lassen sich Rückschlüsse auf mögliche Nervenschäden ziehen.

Wie wird die EMG durchgeführt?

Der Patient liegt so entspannt wie möglich auf einer Untersuchungsliege. Bei einer Nadel-EMG desinfiziert der Arzt die Hautstelle und sticht eine dünne Nadel-Elektrode direkt in den Muskel. Anschliessend muss man erst einmal abwarten, bis sich der Muskel nach dem Stich beruhigt hat. Danach spannt der Patient den Muskel zunächst leicht und dann voll an. Der Computer zeichnet alle elektrischen Aktivitäten des Muskels auf.

Mögliche Komplikationen von ENG und EMG

Die elektrischen Impulse bei der Elektro-Neurographie empfinden die Patienten häufig als unangenehm, aber erträglich. Ernste Komplikationen sind nicht bekannt.
Das Nadel-EMG ist leider keine schmerzfreie Untersuchung. Die meisten Patienten empfinden den Einstichschmerz der extrem dünnen Nadel jedoch als erträglich. In sehr seltenen Fällen kann es zu Infektionen oder Blutergüssen im Bereich der Einstichstelle kommen.


druckenDiese Seite drucken